Die Frankfurter Buchmesse ist eine feine Sache und womöglich auch ein hartnäckiges Relikt aus einer anderen (vor-coronalen) Zeit, aber seit ich Content Creator und rezensierende Bloggerin bin, bewirkt sie im Vorfeld vor allem eins: Stress!

Denn jedes Jahr aufs Neue türmen sich bei mir Bücher, die ich unbedingt noch vor der Messe rezensieren sollte, möchte oder gar … müsste. „müsste“, weil ich ein gewisses Kontingent an Rezensionen brauche, um als Content Creator/Blogger akkreditiert zu werden.

Das habe ich zwar schon erreicht, aber … da liegen noch immer zwei Bücher, die ich noch „schaffen“ möchte, bevor Anfang Oktober die Messe ihre Türen öffnet.
Eines davon ist „Wo die Toten sprechen“ von Jaroslav Rudiš. 2026 ist Tschechien Gastland … und das allein ist Grund genug, um die „Rezi“ noch rechtzeitig fertigzukriegen, auch, aber nicht nur, weil mir der Verlag im Vertrauen auf meine Seriosität und Zuverlässigkeit ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Zurück zur #fbm26: Ich glaube, Jaroslav ist sogar selbst anwesend. Zumindest ist sein Leib-und-Magen-Illustrator Jaromír 99 vor Ort, wie ich vorhin gehört habe, aber der hat dieses Buch hier gar nicht illustriert. (Es sind zur Abwechslung mal gar keine Illus drin, auch die gleich noch ins Spiel kommende Lilie wurde bei einer Agentur gekauft.)

Also … aufs Tempo drücken. „Wo die Toten sprechen“ ist nicht das erste Buch von Jaroslav Rudiš, das ich hier rezensiere. „Weihnachten in Prag“ hatte auch ein bisschen was von “roadmovie“ bzw. “-story“ (innerhalb Prags); das scheint hier auch der Fall zu sein, wenn auch über Prag hinaus.

Das Cover zeigt die Umrisse einer gespiegelten blauen Lilie, Todesblume, und am Scheitelpunkt der beiden Figuren ist ein weißer Saab zu sehen. Ich glaube, der gehört sogar Jaroslav privat. Wenn er nicht gerade Bahn fährt, dann offenbar … Saab. Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht das Einzige ist, was an diesem Roman „Auto-biografisch“ ist. Klappentext: Drei Freunde in ihrer Lebensmitte (und -krise) sind zusammen unterwegs … Da wäre z.B. Lorenzo. Er frisst sich durch Bücher und möchte über tote (!) europäische Dichter promovieren. Okay, hier kommen also die Friedhöfe ins Spiel. Könnte wohl am ehesten Alter Ego von Jaroslav sein. „Miss Detroit“ ist es sicherlich nicht, aber Anteile des Dritten im Bunde, Caspar aus Böhmen, könnten auch von Jaroslav sein.
Natürlich wird auch hier wieder gebechert und gesoffen … kein Rudiš-Buch ohne Bier … bzw.: kein Bier ohne Niederschlag in einem Buch, könnte man meinen.

 

Ich merke schon beim Durchblättern und Mich-hier-und-da-Festlesen, dass dieser Roman es verdient, „richtig“ gelesen zu werden, und nicht bloß im schnellen Vorüberrauschen.
Deshalb soll dies hier erstmal nur ein „Anriss“ sein, aber ich möchte Euch schon verraten, dass ich den Anhang des Buches witzig finde. Da geht es nämlich um „Anmerkungen, Richtigstellungen und Dementi“, die der Autor vorsichtshalber gleich mal selber vornimmt, bevor es andere tun. Hier wird aber nicht nur vom Autor selbst, sondern auch – fiktiv oder in Wirklichkeit – auch von einen Institutionen, die im Buch eine Rolle spielen, dementiert oder informiert, z.B. von der österreichischen Polizei, von der Freien Universität zu Krems und von der Stadt Bayreuth.
Man erfährt (falls man das noch nicht wusste), dass das Wasser auf Friedhöfen zum Trinken nicht geeignet ist, dass man Bücher doch besser liest als sie zu essen und dass der Saab das beste Auto der Welt ist, aber Letzteres dürfte schon vorher bekannt gewesen zu sein …

Wer jetzt noch keine Lust hat auf diese wendungsreiche Tour de Cimetières durch Mitteleuropa, der soll sich doch am besten gleich einsargen lassen. Bis auf Weiteres! (Mit einer Lilie im Mund.)

 

Jaroslav Rudiš, Wo die Toten sprechen. München: Luchterhand Literaturverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH 2026. 1. Auflage. ISBN 978-3-630-87739-6, 234 Seiten, EUR 24.