Heute reden wir über ein Bahnbuch von 2016, das es so aber schon gar nicht mehr zu kaufen gibt, nur noch antiquarisch oder als E-Book.
Es heißt „GEBRAUCHSANWEISUNG für die Deutsche Bahn“, ist von Mark Spörrle und im renommierten Piper-Verlag erschienen. Es gehört in die Reihe „Gebrauchsanweisung für alles Mögliche“ (die Welt, das Leben, das Jenseits, die USA, …) und befindet sich somit in guter, sogar extraterrestrischer Gesellschaft.

Mark Spörrle? Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor?! –Genau! Er ist Co-Autor von „senk ju vor träwelling“ („Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem gut ankommen“) © 2008 und schreibt u.a. für DIE ZEIT.

Vielleicht ist das genau das Problem der „Gebrauchsanweisung“, die nach vergleichsweise kurzer Zeit (© 2016) offenbar schon aufm Abstellgleis der nicht neu aufgelegten Bücher gelandet ist. „senk ju vor träwelling“ war wohl einfach (zu) witzig und originell.

Diese „Gebrauchsanweisung“ – sicherlich als „Sequel“ gechartert – wird vermutlich einfach nicht oft genug gebraucht, denn die hier identifizierten Handlungen sind uns wohl auch ohne Anleitung vertraut: Vom Schienenersatzverkehr und defekten Klimaanlagen (sommers wie winters) über streng riechendes anatolisches Essen im Großraumwagen bis hin zu lautstark telefonierenden Möchtegern-V.I.P.s ist alles bekannt und bedarf deshalb womöglich auch keiner weiteren Erläuterung. Der Sprachwitz schräger (oder verspäteter) Durchsagen erfreut oder entsetzt zwar nicht nur die Philolog*innen unter uns, aber: Reicht das wirklich für ein weiteres Buch mit dem (im Zusammenhang mit Bahn-Betrachtungen meist üblichen) lakonisch-sarkastischen Plauderton, den natürlich ein professioneller Zeitungsautor aus dem FF beherrscht?!

Ich habe den Eindruck, dass dieses Buch sich nicht so recht entscheiden kann, wohin es will und auf welchem Gleis es ankommen möchte: Sammlung von Kolumnen und kleinen Erlebnisgeschichten, irgendwie dann doch auch ein bisschen seriöser Ratgeber …?!

Dennoch finden sich auf der Fahrt durch dieses Buch ein paar nette Episoden und Geschichten mit Wiedererkennungsfaktor, von denen ich gern mal eine oder zwei auf diesem Blog posten würde (darf ich, Herr Spörrle?!), aber das Rad bzw. die Schiene wird hier nicht neu erfunden.

Muss aber ja auch nicht immer sein! Unterhaltungswert für eine lange Bahnreise hat die „(Nicht wirklich-)Gebraucht-Anweisung“ allemal – und da man sie nur noch als E-Book bekommt, beschwert sie auch nicht das Reisegepäck.
Fazit: Kann man machen lesen, muss man aber nicht.

Mark Spörrle, Gebrauchsanweisung für die Deutsche Bahn. München: Piper, 2016, 224 Seiten, ca. 7,80 € (gebraucht 02/20)

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