Wer vor kurzem und im Zusammenhang mit der anstehenden #fbm26 mal auf diesem Blog unterwegs war zum Stöbern, hat vielleicht mitgekriegt, dass mir zwischenzeitlich mein „Was wir von ihr wissen“-Rezensionsexemplar „abhanden“ gekommen war.
Sagen wir mal so: Es war „abgängig“. Was durchaus mal vorkommt, wenn man zwischen drei Wohnsitzen und einem (festen) Arbeitsplatz/-büro hin- und herspringt. Da bleibt auch mal was im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Strecke“.
Vieles, eigentlich sogar das meiste, findet sich irgendwann wieder. In einer Tasche, die man doch nicht ganz leer geräumt hat nach der so-und-so-vielten Ankunft … zwischen zwei aufeinander gestapelten Kleidungsstücken … oder in einem dunklen Winkel eines Kofferraums.
Manches bleibt aber auch für immer verschollen – und noch weniger davon wird, zum Glück, im Folgenden schmerzlich vermisst. Wenn es sich um ein Buch handelt, das verloren geht, hat das den Vorteil, dass es jederzeit wiederbeschaffbar ist.
Unschöner ist es, wenn ein Non-book-Lieblingsstück „weggekommen“ ist.
Um den Überblick über „Lost and not yet found“ zu behalten, schreibe ich ab und zu „Wanted“-Suchlisten, die, wenn es ganz doof läuft, ihrerseits wieder verloren gehen. Manchmal sogar, noch bevor sich das gesuchte Objekt längst wieder eingefunden hat.
„einfinden“ ist ein tolles Wort, denn es klingt so, als ginge das ganz von selbst, ohne eigenes Zutun. DEM ist eindeutig nicht so. Dem „Einfinden“ voraus geht meist ein zunehmend verzweifeltes Suchen und Überlegen, wann und vor allem wo man denn den betreffenden Gegenstand zuletzt gesehen hat.
So gibt es ein – wenn ich mich recht erinnere – kleines Stäpelchen aus insgesamt drei Winterhosen, die ich anlässlich des Jahreszeitenwechsels von „kühl“ auf „warm“ von A nach B transportieren wollte. Nur, dass sie in B nie angekommen sind. Das kann ich mir nicht erklären. Ich hatte die drei Hosen sorgfältig aussortiert aus dem ohnehin viel zu kleinen Kleiderschrank in der Unter-der-Woche-Unterkunft, zusammengelegt und in ein Behältnis (vtl. eine Tasche) gepackt. Eine Tasche vermisse ich aber nicht.
Wohl aber die drei Hosen, die ab und zu vor meinem geistigen Auge auftauchen:
(1) eine schwarz-weiß breit karierte Hose aus dickem Wollstoff, die ich, weil so dick und warm, selten anhatte und die infolgedessen noch neuwertig ist,
(2) eine viel und gern getragene tief schwarze, schlichte, wunderbar bequeme, aber trotzdem business-taugliche Hose von einer deutschen oder österreichischen Traditionsfirma, die es inzwischen nicht mehr gibt und deren Name mit „klein Zett“ beginnt,
(3) eine ältere, ebenfalls, aber anders karierte (es ist auch ein dezenter brauner Streifen mit eingewebt), etwas dünnere (also eigentlich jahreszeitenunabhängige) Hose, deren Beine unten ausgestellt sind, sodass ich mich manchmal, vor allem auf Treppen, mit den Füßen darin verfangen habe und es daraufhin einmal sogar zu einem (harmlosen) Sturz kam.

Nun könnte man meinen, dass der Verlust aller drei Hosen aus unterschiedlichen Gründen zu verschmerzen und/oder zu kompensieren wäre.
Nummer (1) habe ich wirklich selten angehabt, weil sie in geschlossenen, beheizten Räumen echt zu warm und zu dick war. Fürs Draußen-Rumlaufen war sie auch nur bedingt geeignet, weil nicht outdoors-gemäß und zum Bei-niedrigen-Temperaturen-draußen-Rumlaufen zu chic und zu unbequem.
Nummer (2) hat – könnte man sich zum Trost einreden – ihre Zeit gehabt und ihren Job erledigt; außerdem gibt es ja schwarze Universalhosen noch und nöcher, aber … eben nicht diese, die nach x-mal-Tragen immer noch aussah wie neu und von ihrer Schwärze trotz mehrfachen Waschens nichts eingebüßt hatte.
Nummer (3) war ohnehin ein Sicherheitsrisiko und hätte über kurz oder lang dazu geführt oder zumindest beigetragen, dass ich eine Treppen runter- oder über meine eigenen Füße (in einem der ausgestellten Hosenbeine verfangen) gefallen wäre. Insofern kann ich also, bei Licht betrachtet, froh sein, dass diese Hose mir nicht mehr gefährlich werden kann.
Okay, ich vergesse Nr. (1) und Nr. (3) und bleibe kurz bei Nr. (2). Dem Verlust dieses Lieblingsstücks verdankt die Kleiderindustrie einige Ersatzkäufe und -handlungen und ein inzwischen recht breites An- und Aufgebot an schwarzen Hosen in meinem bzw. meinen ortsabhängigen Kleiderschränken.
Als ich hörte, dass die Firma mit Z- ihren Betrieb eingestellt hat, habe ich sogar zweimal (es kann auch drei- oder viermal gewesen sein) versucht, über einen übergroßen Warenversender Restbestände – und vielleicht sogar just DIESE bestimmte Hose – zu finden. Ich hätte vtl. jeden Preis dafür bezahlt.
Noch immer – und der dreifache „textile Abgang“ dürfte nun schon locker anderthalb Jahre her sein – träume ich manchmal davon, dass ich einen Koffer, den ich lange nicht mehr benutzt habe, öffne … und in einem vernachlässigten Seitenfach mit Reißverschluss finden sich die drei verlorenen Seelen … Aber nicht alle Träume werden wahr.
Kommen wir, bevor wir danach zu suchen anfangen, zurück zu „Was wir von ihr wissen“, dem Buch, um das es hier eingangs ging und eigentlich auch gehen *sollte*. Aus dem „abgängig“ ist ein „abgängig gewesen“ geworden. Dieses Buch hat sich tatsächlich wieder eingefunden, und die passive Ausdrucksweise passt hier perfekt, denn: Das Buch lag, eigentlich recht exponiert, auf einem kleinen Beistelltisch in meinem Arbeitszimmer … und es war nur teilweise von zwei, drei A4-Blättern verdeckt (gewesen).
Jetzt ist es also nicht länger die Herausforderung, das Buch zu finden, sondern eher die, es noch bis zur Frankfurter Buchmesse auszulesen, damit ich den versprochenen zweiten Teil der Rezension noch rechtzeitig einstellen kann.
Das wird knapp. Trotz des eher mäßigen Wetters am Wochenende vor der Eröffnung. Dann muss ich also sicherheitshalber zum Äußersten greifen. Das heißt: Ich zäume das Pferd/Buch von hinten auf und lese von hinten nach vorn weiter. Das mache ich nicht gern, aber manchmal muss es halt sein.
Seite 365 (wow, genauso viel, wie das Jahr Tage hat … ist das Zufall?!) und 366 (Schaltjahr!) sind Danksagungen an eine Menge Leute, die ich nicht kenne.
Aber die letzte Seite des Romans, Seite 363, ist ein Geschenk an mich, deren Lebens- und Blogthema das Reisen und Unterwegs-Sein ist, spielt die (kurze) Schlussszene doch auf dem Flughafen von Los Angeles. Wir sind inzwischen im Jahr 2013 angekommen.
And here we go, and travel, again – und dabei will ich es bewenden lassen, an Tag 3 im so schnell schon wieder letzten Quartal dieses Jahres.
Klingt doch immerhin nach einem versöhnlichen Ende des “Family Dramas“, wie das Buch im Original heißt:

((Kann man schlecht lesen, ne?! Ich tausche es beizeiten und bei Zeit mal aus, das Foto!)) Spätestens, wenn das noch undefinierte Behältnis mit den drei äußerst definierten Winterhosen unverhofft wieder auftaucht, werde ich die Lücke zwischen den ersten Seiten des Buchs (siehe die Auftakt-Rezi gleich rechts daneben auf dieser Homepage) und der letzten Seite schließen. Und den „Mittelteil“ lese ich im ICE zur Buchmesse fertig!
Rebecca Fallon. Was wir von ihr wissen. Hamburg: mareverlag. 1. Auflage 2026. Übersetzt von Juliane Zaubitzer. 366 (!) Seiten. ISBN: 978-86648-752-9. [Leseexemplar des Verlags, womit ich auch diese Pflichtangabe erledigt hätte]
