Wie bezeichnend, dass in der deutschen Sprache Bahn und Wahn so eng beieinander liegen.
Daraus lässt sich doch was machen — findet auch der Karikaturist Fernandez.

Den aufstellbaren Jahres-Pendlerkalender BAHNSINN! gibt es schon länger – aufgefallen ist er mir erst jetzt so richtig, seit ich mich intensiv mit dem Thema »Pendeln« befasse.
Offenbar ist es unerschöpflich, denn auch für 2019 ist es Karikaturist Miguel Fernandez gelungen, zu jeder Woche des Jahres eine, meist schräge, Situation zu zeichnen, die mal mehr, mal weniger mit dem ganz normalen Bahnsinn zu tun hat, den Pendler*innen wie ich häufig erleben. Klar ist das Ganze humoristisch überspitzt, aber das ist das Pendlerleben ja auch oft – nur dass einem dabei manchmal der Humor verloren geht.

Nicht so bei Fernandez‘ BahnWahn-Sinn: Eines seiner Lieblingsthemen scheint die obligatorische Verspätung zu sein, die die Bahnreisenden regelmäßig in den Wahnsinn treibt. So hat es dieser Dauerbrenner auch aufs Cover geschafft – und ich glaube, genau diesen Cartoon hätte ich auch ausgesucht.

Ansonsten geht es um die vielen täglichen, alltäglichen und ungewöhnlichen Begegnungen mit anderen Reisenden, die natürlich auch den Witz und Reiz des Bahnfahrens ausmachen. Manche sind erschreckend nah an der Wirklichkeit, andere wiederum so abwegig und skurril, dass für jeden, der diese Art von Humor mag, etwas dabei sein müsste, worüber er oder sie lachen oder zumindest schmunzeln kann.

Wen man so alles trifft? Frankenstein und die Mona Lisa (wirklich?!), einen gesuchten Mörder und einen altmodischen Bahnräuber, eine Gruppe ein- bzw. abgestiegener Fußballfans – und den leibhaftigen Weihnachtsmann (, um nur einige zu nennen).

Nun ist das mit dem Humor ja so eine Sache! Man hat und teilt ihn oder man teilt ihn auch nicht – und bei 52 Wochen im Jahr kann es naturgemäß auch schon mal passieren, dass man mit einem Cartoon nichts anfangen kann. Aber: Dann kann man ihn immer noch weiterverschenken oder verschicken, denn jedes Motiv ist zugleich eine heraustrennbare Postkarte. Das ist super, denn so ist der Kalender auch am Ende des Jahres kein Papiermüll, sondern ein Postkartenfundus für frustrierte oder humorvolle Mitreisende.
Ich find‘ den Kalender jedenfalls nett – und werde ihn mir auch für 2020 wieder gönnen. Oder gleich das ganze BAHNSINN-Buch mit dem vielversprechenden Titel »Der helle BAHNSINN« (jetzt auch ohne Ausrufezeichen) :-).

(Miguel Fernandez, BAHNSINN! 2019. Der Pendlerkalender. Oldenburg/Hamburg: Lappan Verlag in der Carlsen Verlag GmbH 2018. EUR 14,99)

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