Es ist uns mittlerweile so vertraut, dass wir es gar nicht mehr bemerken. Es gibt eine neue Volksbewegungsart, die inzwischen auf Level 2 angekommen ist. Es geht um den »Rollkoffermenschen«. Bis vor einiger Zeit war diese leicht erkennbare Spezies unter den Flug- und Bahnreisenden sozusagen auf vier Beinen unterwegs — den beiden eigenen … und den beiden Rädern des fest mit ihm oder ihr verwachsenen Rollkoffers, der mit nach hinten geneigter Hand hinter dem Menschen hergezogen wurde oder z.T. noch wird bei altmodischen Reisenden.
Dies bedingte eine gewisse Art der Körper- und Kofferhaltung, etwa so (siehe die Dame rechts):

Hinteres Bein und Rollkoffer (leicht geneigt) werden hier in paralleler Linie geführt. Diese Symbiose aus Mensch und Masse ist untrennbar mit dem dazugehörigen Geräusch verbunden … einem dumpfen, manchmal etwas bedrohlichen, manchmal dynamischen Rumpeln, je nach Beschaffenheit des Untergrunds.

Diese Entwicklungsphase scheint inzwischen überwunden zu sein. Der Rollkoffermensch 2.0 ist weitergekommen. Und das liegt mehr am Koffer als am Menschen. Die Koffer haben nun vier Rollen — und somit (be)steht der gesamte Rollkoffermensch aus und auf mindestens sechs Elementen: zwei Beinen und vier Rädern bzw. Rollen. Es können auch Doppelrollen sein — dann erhöht sich dieser Wert auf acht bzw. (wenn wir die Beine mitzählen) zehn.

Und das hat Folgen für die Körperhaltung und die Bewegungsart: Denn Mensch und Koffer haben den aufrechten Gang bzw. die aufrechte Haltung wiederentdeckt. Der Rollkoffer 2.0 ist nun beweglicher und leichtgängiger geworden und wird insofern nicht mehr ruppig hinter dem Menschen hergezogen, sondern ist partnerschaftlich an seine Seite gewechselt. Nun rouliert er elegant neben seinem Menschen her, elegant auch deshalb, weil sich auch seine Lebensfunktionen und seine Körpergeräusche verändert haben. Der vier- bzw. achtrollige Koffer schnurrt leiser und ist, neudeutsch, »smoother« geworden. So gleitet er nun nahezu laut- und schwerelos neben uns her, unmerklich mit leichter Hand von uns bewegt.

Alles neu, alles besser?! Finden Sie?! Ich denke: Nein! Denn die neue Generation hat einen großen Nachteil. Sie ist nicht mehr so standfest wie ihr Vorgänger. Viel leichter und schneller als früher bricht der moderne Vier- oder Achtroller aus und macht sich selbstständig … und rollt davon, wenn wir ihn auch nur eine Sekunde aus den Augen oder aus der Hand lassen. — Aber das sorgt für andere Geschichten, die ich ein andermal erzähle … Bleibt dabei und rollt demnächst mal wieder ein Stückchen mit :-).

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