Never judge a book … or a radio play … by its title – schon klar! Und das gilt natürlich im Negativen wie im Positiven. Titel können blenden …
Als mir heute in der Audiothek ein neuer Download mit dem Titel „Die Umsiedler“ vermeldet wurde, war ich natürlich gleich „angefixt“ . Hey!, das könnte doch was für mich sein und perfekt zum Thema und Motiv meines Blogs passen. Also habe ich nicht lange gefackelt und den Download sofort gestartet.

Was dann geschah, ist schnell erzählt: Die ersten Sätze waren so verstiegen und geschraubt, dass ich innerhalb weniger Sekunden die Lust verlor … und sie bisher auch nicht wiedergefunden habe.

Eine seiernde Klarinette, ein „frühreifer und rachitisch krummer Mond, fleischsatt“ und eine „fette Wolkennutte, die graue Schultern hinter den Abendwäldern räkelt“ … sorry!, das ist einfach a touch too much am frühreifen Morgen, zumal wenn man sich noch etwas rachitisch vom Wochenende fühlt. Oder, um es mal mit Loriot auszudrücken: „Krawehl, Krawehl!“

Nichts per se gegen Arno Schmidt und seinen Kurzroman „Die Umsiedler“ von 1953, auf dem dieses Hörspiel basiert. Und nichts gegen den Robert-Geisendörfer-Preis, mit dem das Hörspiel ausgezeichnet wurde, aber manchmal ist weniger einfach mehr – und deshalb endet diese Rezension, noch bevor sie begann.

Ich werde vielleicht an einem weniger grauen, weniger nassen Morgen einen zweiten Versuch machen, aber für den Moment bleiben die „Umsiedler“ erstmal dort, wo sie sind: in der Mottenkiste der vielen, teilweise prätentiösen Welt- und Nachkriegsverarbeitungsdramen in Wort, Ton und Schrift.

„Die Umsiedler“. NDR Hörspiel Box – NDR Kultur, So. 01.03.20 | 1 Std. 12 Min.; Hörspiel von 2017 basierend auf dem gleichnamigen Kurzroman von Arno Schmidt © 1953; ausgezeichnet mit dem Robert-Geisendörfer-Preis

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