Hatte ich schon gesagt, dass ich kein DB-Bashing machen möchte?! Also: Ich möchte kein DB-Bashing machen. Dabei bleibt es auch.

Aber heute möchte ich mal eine nette Bahngeschichte erzählen. Sie ist völlig unspektakulär, aber einfach nur nett. Ich teile sie mit Euch! Auf der Heimfahrt mit dem proppevollen ICE fand ich in diesem Einstecknetz am Rücken des Vordersitzes — ein Ticket. Irgendwie wusste ich schon beim ersten Draufschauen, noch bevor ich es in die Hand genommen hatte, dass es von Bedeutung sein könnte. Nein, das war kein altes, abgefahrenes Ticket — das spürte man gleich.

Richtig! Ein personalisiertes Jobticket, gültig noch bis Ende des Jahres und ausgestellt auf den Namen … na, is’ ja auch egal, schließlich haben wir ja Datenschutz. Als der dunkelblau gekleidete Schaffner zum Ticketkontrollieren vorbeikam, gab ich ihm erst meines, und dann das liegengebliebene Ticket meines, vermutlich, Vorgängers auf diesem Platz. »Vielleicht freut sich ja der Besitzer«, sagte ich.

Wer sich zunächst einmal sichtlich freute, war der Schaffner selbst. »Wo haben Sie DAS denn gefunden?«, fragte er ehrlich überrascht. »Das haben wir vorhin die ganze Zeit gesucht — der Besitzer hat sogar schon angerufen!«
»Das steckte hier vor mir in dem Netz«, antwortete ich wahrheitsgemäß.
»Na, da hätten wir ja noch lange suchen können«, entgegnete der Schaffner, »der Herr meinte nämlich, er hätte es in einem Abteil liegengelassen!« — und ich saß eindeutig im Großraumwagen. Der Schaffner bedankte sich und setzte seinen Kontrollgang fort.

Kurze Zeit später kehrte er mit einer ebenfalls blau uniformierten Kollegin zurück in meinen Wagen, und ich sah und hörte die beiden angeregt miteinander reden und ein, zwei Mal in meine Richtung deuten. Und wenige Momente später kam er an meinen Platz und drückte mir zwei Getränkegutscheine für den Speisewagen in die Hand — als Dank für »die ehrliche Finderin«.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von so viel unerwarteter Freundlichkeit war wiederum ich so erfreut, dass ich einen davon spontan an meinen Nebenmann, einen offensichtlich Medizinstudenten, weiterschenkte, denn er hatte die ganze Zeit mit einem dicken medizinischen Lehrbuch vor der Nase gelernt. Es ging übrigens um Muskelkontraktion — Reisen bildet ja bekanntlich, manchmal auch die Mitreisenden!

… und jetzt hat ein kleines Stück Papier, ein liegengebliebenes Bahnticket, einfach mal eben so an einem quirligen Freitagnachmittag, fünf Menschen erfreut: dessen Besitzer, zwei Bahnbeamte, meinen fleißigen Mitreisenden und mich.
Noch jetzt, wo ich davon erzähle, zaubert mir diese kleine, unbedeutende Episode ein dümmlich-zufriedenes Grinsen ins Gesicht.
Leute!, esst nicht nur mehr Obst — verliert auch einfach öfter mal ein Stück Papier (und Eure stoische Haltung)!

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