Ich wusste, dass mich dieses Buch verändern würde. Nein!, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich wusste vom ersten Moment an, dass es mich bei einer bereits begonnenen Veränderung ins Mark treffen würde.

Und das hat es geschafft! Allein die Tatsache, dass ich es trotz vieler dienstlicher und privater Termine und Verpflichtungen hinbekommen habe, das Buch innerhalb von wenigen Tagen, man kann fast sagen: in einem Rutsch, auszulesen, ist bemerkenswert. Jetzt steckt es in einem wiederverwendeten braunen Kuvert und wartet darauf, zur Post gebracht zu werden. Ich werde es weiterverleihen. Denn: Dieses Buch ist eine kleine Offenbarung für alle … naja, schon eher mal: Frauen, die schon immer schreiben wollten und es bisher nicht oder nur nebenbei hingekriegt haben.

Kristin Valla schildert in „Ein Raum zum Schreiben“ nicht nur ihren eigenen Weg von der Irgendwie-immer-schon-ein-bisschen-Autorin zur Jetzt-endlich-wirklich-Eine, sondern bezieht auch den Weg vieler mehr oder weniger bekannter Schriftstellerinnen aus der jüngsten Vergangenheit mit ein, und zwar immer dann, wenn damit ein „Raum“ in Verbindung steht. Dieser „Raum“ kann ein Haus sein (so, wie es bei Valla selbst der Fall war), aber auch eine Wohnung oder sogar einfach nur ein Zimmer – Hauptsache, es handelt sich um Platz („einen Raum“) für einen selbst, um einen Ort, an dem man nicht ständig gestört wird und den man nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen eingerichtet hat. Die (mir) bekannten Referenzautorinnen reichen von Edith Wharton und Selma Lagerlöf über Toni Morrison bis hin zu … natürlich! … Virginia Woolf und ihren bekannten „Room of One’s own“, der für das konsequente Sich-einen-Raum-Schaffen sinnbildlich ist.

Manchmal standen Männer den Ambitionen im Weg, manchmal unterstützten sie diese aber auch. Jedenfalls lässt Valla es nicht gelten, dass eine Frau „einen Raum bekommt“ (und schon gar nicht von einem Mann, von dem sie abhängig ist). Nein, sie legt Wert darauf, dass sich die Frau, die das Schreiben ernsthaft betreiben möchte, diesen Raum nimmt – und dann aber bitte auch nutzt und gestaltet.
Und manchmal beginnt alles mit Notizbüchern und ein paar Stiften, so wie in diesem Beispiel einer nigerianischen Autorin:

Wie schon in Teil 1 dieser längst schon nicht mehr nur Rezension berichtet, habe ich in dem Buch (das mir, auch dies sei nochmals der Korrektheit gesagt, von mare freundlicherweise als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde) besondere Stellen markiert.
Ich musste mich wirklich zurückhalten und sehr disziplinieren, denn wie ein Kind in der Deutschstunde, das mit der Technik des Markierens vertraut gemacht wird, hätte ich fast auf jeder Doppelseite etwas markieren können, manchmal ganze Absätze, manchmal nur einen Satz oder auch nur ein Wort oder einen Namen. Damit wird die Bekannte, der ich das Buch schicken werde, nun wohl leben müssen. Ich selbst hasse vormarkierte und kommentierte Bücher, aber … da muss sie durch. Auch sie spielt mit dem Gedanken, mehr und anderes zu schreiben, als was sie bereits verfasst (hat). Auch bei ihr gehe ich davon aus, dass sie, wie ich, den (physischen) Raum zum Schreiben längst gefunden hat. Aber uns beiden fehlt wohl eher der „Raum“ im Sinne von „Platz“ in unserem Leben fürs regelmäßige und professionelle Schreiben. Zu vieles hält uns davon ab, hindert und stört uns und lässt uns immer wieder aufhören, unterbrechen, neu ansetzen, …

Wann man ein Autor / eine Autorin ist, wird Valla von ihrer Nachbarin, die zugleich ihre Maklerin für DAS Haus war, gefragt. Ist jede/r, der/die ab und zu mal was zu Papier bringt, gleich ein Autor oder eine Autorin?! Misst sich die Tatsache, dass jemand Autor/in ist oder sich nennt bzw. nennen darf an dem Umstand, dass der-/diejenige ein Buch geschrieben hat?! In Zeiten von Selfpublishing zählt dann wohl nur ein „richtiger“ Verlag und ein gedrucktes Buch, kein Print-on-Demand … und eine gewisse Auflagenhöhe.

Der letzte Satz in Vallas Buch gibt darauf eine Antwort, jedenfalls die, die sie sich selbst gibt. Aber diese Antwort spare ich mir noch auf, denn – so viel ist jetzt schon sicher – es wird noch einen weiteren Teil von „Ein Raum zum Schreiben, wie ich es sehe“ geben. Und allein das macht mich schon zu einem Autor!

Bibliografische und quadratische Daten: siehe am Ende von Teil 1 dieses Blogbeitrags