Während ich dies schreibe, bin ich schon wieder auf dem Weg Richtung Berlin. Diesmal werde ich aber nicht bis dorthin fahren, sondern vorher in der „Provinz“ aussteigen.

Meine Reise nach Berlin liegt nun schon ein paar Tage zurück, und ich konnte meine Eindrücke und Gedanken ein wenig sortieren bzw.: sie mich! – Damit ich nicht komplett den Überblick verliere und nicht alles „ineinander suppt“, mache ich ab jetzt mal halbwegs chronologisch weiter – sonst wird es arg impressionistisch.

Meine erste Nacht in Berlin – vielleicht erinnert Ihr Euch aus Teil 1 von „Der Himmel über Berlin“ – habe ich ja in einer Art „Kaschemme“ verbracht. Dass diese im Erdgeschoss, im Sinne von komplett ebenerdig, eines heruntergekommenen Hochhausblocks lag, hat über Nacht nicht gerade für ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gesorgt. Die Nacht war also … unruhig, obwohl es draußen überraschend still war. Keine grölenden Spätheimkehrer, keine Streitereien, auch kein Schusswechsel vor der Haustür, … alles ruhig und friedlich.

Nachdem ich die knallroten Vorhänge aufgezogen habe, stehe ich auf gleicher Höhe wie der Plattenboden draußen vor der Balkontür. Da heute Morgen das Wetter schlechter ist als gestern bei meiner Ankunft, wirkt die Szenerie noch trauriger und hoffnungsloser. Eigentlich gibt es keinen Grund zur Sorge und auch keinen zur Eile, aber … ich möchte so schnell wie möglich hier raus! Es gäbe sogar Kaffeekapseln und eine intakt aussehende Maschine dafür; ich kann mich aber nicht dazu aufraffen, hier einen Kaffee durchzuschießen. Zu essen habe ich außer einem Tütchen Apfelchips genau nichts dabei – also nichts wie weg hier!

Meine nächste Unterkunft wird ein ganz normales, zentral gelegenes Hotel sein, aber eigentlich ist es noch viel zu früh, um dorthin zu fahren – das Zimmer dürfte noch nicht bereitgestellt sein.

Trotzdem rolle ich nur wenige Momente später mit meinem großen Rollkoffer über die Pflastersteine, nachdem ich mühsam den Wohnungsschlüssel wieder in der Keybox verstaut und diese verschlossen habe. Da hinten war doch eine U-Bahn-Station! Ja, genau, da ist sie auch schon; sie ist in einen Wohnhauskomplex integriert. Daneben gibt es ein „Späti“, das nach seinem Besitzer benannt ist, natürlich mit Apostroph. Dessen Name lässt darauf schließen, dass es sich um einen Osteuropäer handelt. Och nö! Das ist nichts für den ersten und besonders heute so wichtigen ersten Kaffee des Tages.

Nur wenige Meter weiter gibt es ein unspektakuläres Frühstückskaffee. Ja!, das ist es! Ich bestelle mir einen großen Café Crème und muss feststellen, dass das Frühstückssortiment sehr orientalisch geprägt ist. Nicht, dass ich was gegen den Orient hätte; ich mag einfach am frühen Morgen nicht schon mit derart ungesunden Dingen beginnen, also bleibt es erstmal bei dem Kaffee. Diesen nehme ich, obwohl das Wetter es mittlerweile zuließe, nicht draußen ein, wo auf dem Bürgersteig ein paar Tische und Stühle aufgestellt sind, sondern innen drin in dem kleinen Raum, am Fenster, auf einem Hochstuhl sitzend.

Der Kaffee schmeckt gut, neben mir sitzt eine junge Frau mit Kopfhörern auf den Ohren und einem Laptop auf den Knien und sie verzehrt gerade etwas, was wie der orientalische Frühstücksteller de Luxe aussieht. Ich bin bereit für Berlin!